Donnerstag, Februar 01, 2007

"Überbringen schlechter Nachrichten"...

...war das Seminarthema gestern Nachmittag. Zwei kurze theoretische Einheiten und zwei lange praktische Einheiten in vier Stunden Seminar. Mir war vorher schon klar, das es ein verdammt wichtiges Seminar ist. Wie wichtig habe ich erst IM SEMINAR gecheckt. Meine Aufgabe war es, einer 17-jährigen (gespielt von einer Mitstudentin) die Verdachtsdiagnose Leukämie (Blutkrebs) zu überbringen. Ich dachte vorher: Bischen quatschen kann ich. N ernstes Gesicht aufsetzen, freundlich gewählte Worte und empathisches zuhören werden es schon richten... Dachte ich. Sie hat kein Feuerwerk der Schauspielkunst abgebrannt. Sie war auch nicht hysterisch. Es geht mir viel mehr um mein Innenleben, in dem Moment, indem ich da sass und mit ihr sprach. Himmel ging es mir schlecht! Mit einem dicken Kloss im Hals und fühlbaren (!) Bauchschmerzen und Übelkeit überbrachte ich die Nachricht. Und das war nur n Seminar!

Mir ist das Thema sehr wichtig. In einem Gespräch vor kurzem definierte ich für mich den "guten Arzt". Ich erwarte von einem Mitglied meiner zukünftigen Zunft das er/sie 1. fachlich kompetent und 2. sozial/emotional kompetent ist. Gerade 2. fehlt mir allzu oft bei den Damen und Herren.

Wir hatten also die Möglichkeit, dieses Thema für uns in einem Seminar anzugehen. Eines Tages werde ich vor einem Patienten oder einem Angehörigen stehen und solche Sätze sagen wie: "Es tut mir leid. Wir können nichts mehr für sie tun." oder "Ihr Vater wird die Augen nie wieder öffnen. Er ist tot."
Dafür hatten wir leider nur einen Nachmittag. Aber weit besser als Herrscharen von Ärzten die da draussen arbeiten und nie irgendeine Art von Training hatten. Obwohl sie noch an Kursen teilnehmen könnten! Schlimm wenn sie es verweigern, grauenhaft wenn sie die Wichtigkeit nicht erkennen!

Gab sehr interessante Gespräche mit meinen Mitstudentinnen und Mitstudenten während und nach dem Seminar. Endlich mal wieder ein Seminar das sehr gut war. Hat mich immens beschäftigt...

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Ja, schade, dass bei vielen Ärzten entweder nur die fachliche oder aber nur die menschliche Seite stimmt. Der Arzt meines Vaters war ein wunderbarer Begleiter im Sterbeprozess. Hat es meinem Vater so schmerzfrei wie möglich gemacht, war Befürworter, dass er zu Hause sterben durfte und hat großen Einsatz durch Hausbesuche zu jeder Tages- und Nachtzeit bewiesen.
Aber - ich bin mir nicht sicher, ob er nicht durch viel früheres Eingreifen hätte verhindern können, dass sich der Krebs tödlich entwickeln konnte. Eine vergrößerte Prostata hatte er schon vor Jahrzehnten ertastet und nichts unternommen (Was wir aber erst im Nachhinein erfahren hatten).
Toll, wenn Du beides anstrebst - die fachliche und emphatische Kompetenz. Zu solch einem Arzt sollte man gehen! Habe zum Glück einen solchen in Cux. (nicht den meines Vaters).

Samstag, 3. Februar 2007 um 14:47:00 MEZ  

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